Eine schmutzige Angelegenheit:
Feinstaub nicht nur in Stuttgart

Particulate Matter. Schwebestaub. Feinstaub. Was nach einer detaillierten Beschreibung deines schmutzigen WG Bodens klingt, ist derzeit nicht nur ein brandheißes Thema in den Medien, sondern auch ein jahrelanges Problem in der Welt. Dass in Städten keine saubere Luft herrscht weiß nun wirklich jeder. Wie in Stuttgart zum Beispiel. Dort gibt es die dreckigsten Straßen. Ab 2018 dürfen dort auf bestimmten Straßen keine Dieselfahrzeuge mehr fahren. Freut euch aber nicht zu früh, denn auch Pforzheim ist ein kleiner Stinker.

Feinstaub ist derzeit nicht nur in aller Nasen, sondern auch in aller Munde. Aber was ist das überhaupt?

Mit jedem Atemzug inhalieren wir zahlreiche Kleinstteilchen ein. Pollen. Sandkörner. Sahara-Staub. Mikroplastik. Ruß durch Busch- und Waldbrände. Reifen- und Bremsabriebepartikel. Seesalz durch die Gischt. Sinken die Teilchen nicht sofort zu Boden, sondern schweben eine gewisse Zeit in der Atmosphäre spricht man von Feinstaub. Auch Tante Frieda mit ihren Kerzen und dem schlecht gewarteten Staubsauger trägt zur Verschmutzung der Atmosphäre bei. Herberts neuer Kaminofen produziert bei einer Stunde voller Befeuerung so viel Feinstaub wie eine 10km Autofahrt. Und wenn Onkel Heinz im Wohnzimmer genüsslich seine Zigarette raucht, produziert auch er Feinstaub. Laut einer Studie italienischer Forscher erzeugt das Rauchen einer einzigen Zigarette so viel Feinstaub wie ein Dieselmotor ohne Filter, der eineinhalb Stunden läuft (BMJ: Invernizzi et al., 2004). Un desastro!

Der Feinstaub wird in sogenannten Fraktionen unterteilt: Zur Fraktion PM10 werden alle Staubteilchen mit einem Durchmesser kleiner als zehn Mikrometer gezählt. Dann gibt es die Feinfraktion im 2,5 Mikrometerbereich und die ultrafeinen Partikel mit einem Durchmesser unter 0,1 Mikrometern. Kann man nicht mehr sehen. Aber einatmen. PM10 dringt beim Menschen in die Nasenhöhle ein. PM2,5 erreicht die Bronchien und Lungenbläschen. Die ultrafeinen Partikel dringen bis in das Lungengewebe vor und setzen sich sogar in den Blutkreislauf ab. Dass das nicht gesund sein kann, kann sich jeder ausrechnen. Von Atemwegsentzündungen über Thrombosen bis hin zu Lungenkrebs bekommt man mit dem Feinstaub alles inklusive. Wie genau aber der Feinstaub die Gesundheitsschäden verursacht wurde bislang noch nicht ausreichend erforscht. Auch welche Zusammensetzung und Konzentration besonders riskant sind, ist noch unbekannt. Wird Zeit, dass das mal jemand untersucht.

Feinstaubalarm

Die Hinweise, dass Feinstaub die Gesundheit gefährdet, sind nun so eklatant, dass bereits seit Jahren Auflagen in ganz Europa eingeführt werden. In der EU-Richtlinie 2008/50/EG ist genau geregelt, wie die Luft zu kontrollieren sei und welche Grenzwerte einzuhalten sind. Wird der Grenzwert zwei Tage in Folge überschritten, gibt`s Feinstaubalarm.
Doch die Autos sind nicht allein verantwortlich für den Schmutz in der Luft. Kraft- und Fernheizwerke. Abfallverbrennungsanlagen. Öfen und Heizungen in Wohnhäusern. All das gibt der Luft den Rest. Dabei sind nicht nur wir Menschen Schuld an der ganzen Misere. Es gibt auch natürliche Quellen, die die Luft verpesten. Vulkane. Waldbrände. Bakterien mit ihren Sporen. Oder Pilze. Und Blumen. Aber die größten Stinker bleiben wir Menschen. Wieder einmal.

Im Winter sammelt sich Feinstaub besonders gerne in der Luft, da die kalte Luftschicht am Boden von einer wärmeren Schicht eingeschlossen ist, in der sich dann auch die Kleinpartikel und andere Schadstoffe rumtreiben. Auch die geologische Gegebenheit einer Stadt kann zu vermehrtem Feinstaub beitragen. So ist eine Stadt, die in einem Talkessel und somit an einem Ort mit stehender Luft liegt, eher dazu prädestiniert im Schmutz zu ersticken.

Ein Problem bei all der Datenflut ist aber, dass die Luftqualität nicht überall durchgehend überwacht wird. Somit lässt sich die Luftverschmutzung nur schwer quantifizieren. Die Daten sind also nicht repräsentativ. Könnte also alles auch noch viel schlimmer sein.

Aber was kann man dagegen tun und was macht die Stadtverwaltung Pforzheim?

Als einzelner kann man natürlich das Auto stehen lassen und mit Bus und Bahn fahren. Auch auf alternative Heiztechniken kann man zurückgreifen. Beim Grillen nicht ständig das Fleisch anzukokeln hilft auch schon.

Die Stadtverwaltung Pforzheim. In der Jahnstraße, der Zerrenner Straße und der Pforzheimer Mitte wurden Messstationen errichtet, um die Grenzwerte im Auge zu behalten. Doch es reicht nicht mehr, nur auf Autos zu schauen. Es müssen alle Dreckquellen im Blick gehalten werden. So haben die Städte Heidelberg, Karlsruhe, Mühlacker und Pforzheim 2006 zusammen Aktionspläne zur Bekämpfung der Feinstaubbelastung erarbeitet. Der städtische Fuhrpark wurde vergrößert, alle mit Dieselmotoren betriebenen mobile Maschinen der Stadtverwaltung und deren städtischen Beteiligungsgesellschaften wurden mit Partikelfilter nachgerüstet oder durch Neuanschaffungen ersetzt. Es wurden ganzjährige Fahrverbote für PKWs der Schadstoffgruppe 1 in den Umweltzonen eingeführt. Dem Handwerk, Gewerbe und der Industrie wird nun mehr auf die Finger geschaut. Ein Verbrennungsverbot für Festbrennstoffe in Kleinfeuerungsanlagen wurde auferlegt und das Fernwärmenetz wurde ausgebaut. Klingt alles gut.

Aber zeigte es bis heute die gewünschte Wirkung? 2018 gibt es nun trotz dieser Auflagen und Maßnahmen immer noch ein Feinstaubproblem. Alarm wird ständig ausgelöst, die Werte liegen im Keller. Hat man am Ende mit den ganzen Aktionen und Auflagen also doch nur an der schmutzigen Oberfläche gekratzt?