Hausarzt in einer neuen Stadt

Neue Stadt heißt, sich erst einmal zu orientieren. Wo liegt was? Wo ist der nächste Supermarkt? Wo kann man nachts noch Alkohol kaufen? Wohin muss ich und wo bin ich überhaupt. Man fühlt sich nicht nur emotional verloren, sondern ist es meist auch tatsächlich. Und spätestens wenn sich eine durchzechte Nacht rächt, wenn der ungesunde Lebenswandel oder einfach nur ein Virus einen in die Knie zwingt, beginnt man sich auch mal mit der Frage zu beschäftigen: Wo zum Geier finde ich jetzt einen Gott in Weiß?

Schritt 1: Ein Arzt! Ein Arzt! Gibt es hier einen Arzt!?

Wer zu weit entfernt von zu Hause wohnt, kann nicht mal eben flink für einen Arztbesuch heim flitzen. Schon gar nicht, wenn man wirklich krank ist. Rechtlich gesehen kann sich in Deutschland jeder seinen Arzt frei wählen. Das ist schon mal gut. Doch die Suche nach einem geeigneten Arzt stellt sich manchmal als ziemlich schwer heraus.

Wer bereits Leute in der Stadt kennt, kann auch auf seine Ressourcen im Bekanntenkreis zurückgreifen. Nachbarn. Freunde. Kollegen. Rat von Freunden ist immer smart, denn die können Auskunft geben über Service, Wartezeiten, Kosten und wie kulant der Arzt bei Krankschreibungen ist (*hüstel).

Helferlein Internet macht die Sache schon leichter. Auf den Plattformen jameda.de, docinsider.de, ärzte.de oder arzt-auskunft.de kann der verzweifelte Kranke sich einen Arzt suchen. Ob man dann aber angenommen wird, ist eine andere Sache.

Wichtig ist, wer bei einer Prüfung wegen Krankheit fehlt, der sollte dies unverzüglich dem Prüfungsamt melden. Welche Gründe letztlich anerkannt werden, um als prüfungsunfähig zu gelten, ergibt sich aus den Prüfungsordnungen.

Schritt 2: Nächster Termin: in 5 Jahren!

Auch wenn man einen Arzt angerufen hat, so wird man häufig abgelehnt. Kein Privatpatient. Praxis überfüllt. Keine Aufnahme neuer Patienten. Nächster Termin in 5 Jahren um 5 Uhr morgens am Neujahrstag. Klasse!

Dürfen Ärzte eigentlich Patienten abweisen? Erste Antwort: Nö. Dürfen Sie nicht. Machen sie aber dennoch. Und das meist auf die fiese Tour. Jeder zehnte Arzt behandelt lieber mehr Privatpatienten. „AOK-Patienten sollen schön woanders hingehen“ steht groß und fett zwischen den Zeilen, wenn es heißt „Tut mir leid, wir sind komplett voll!“. Privatkassen zahlen für ihre Patienten im Schnitt das Dreifache wie die gesetzlichen Kassen. Und was heißt das? Sollst du jetzt Privatpatient werden? Natürlich, nur leider kann sich das kein Student leisten.

Alles wieder auf Anfang.

Doch so einfach darf man es der Zweiklassenmedizin nicht machen. Ärzte haben grundsätzlich die Pflicht, einen Patienten zu behandeln. „Unterlassene Hilfeleistung“, sagt das Strafrecht dazu, wenn sie die Behandlung verweigern. Außerdem haben die Weißkittel ja auch noch eine ethische Pflicht: Dem Hilfe Suchenden muss geholfen werden. Und welcher Student sucht nicht permanent nach Hilfe? Fairerweise muss aber auch das Berufsrecht an dieser Stelle genannt werden. „Dem Arzt steht es frei, eine Behandlung abzulehnen.“ Er darf sich seine Patienten aussuchen – zumindest der Privatarzt. Diese Tatsache wird zwar eingeschränkt durch „besondere rechtliche Verpflichtungen“. Hilft aber nix. Das Gesetz ist wie immer schwammig.

Heißt im Klartext: lange Wartezeiten auf Termine, komplettes Ablehnen von Patienten, weil die Praxis „voll“ ist, das „Budget erschöpft“ oder „nur Private behandelt werden“. Na denn, viel Glück!
Etwas einfacher bekommt man einen Termin beim Kassenarzt. Dieser darf nur in begründeten Fällen ablehnen. Wenn man zum Beispiel die Krankenversicherungskarte nicht vorlegen kann. Oder wenn man riskante Eingriffe ohne Not verlangt (zählt Panik vor den Klausuren eigentlich dazu?). Wenn man sich querulatorisch oder beleidigend benimmt. Sterbehilfe geht auch nicht. Wieder keine Flucht. Und wenn das Vertrauen fehlt. Und schon ist man weg vom Fenster.

Krankschreibung für die Prüfung.

Sollte man dennoch einen Arzt gefunden haben, der einen aufnimmt, zählt man zur Fraktion der Einhörner. Erschwerend kommt hinzu, dass oft viele Studenten sich krankschreiben lassen, wenn Klausuren anstehen. Das macht die Aufnahme bei einem Arzt etwas schwieriger, da sich keiner mit Simulanten rumschlagen will.
Wenn dich der Arzt also nicht kennt, ist es eher unwahrscheinlich, dass er dich wegen der Prüfung krank schreibt. Die einen sind etwas großzügiger und andere wiederum eben nicht. Das lässt sich nur in Erfahrung bringen wenn man sich frühzeitig nach einem Arzt umschaut.

Fazit

Hilfreich ist auf jeden Fall wenn man bereits einen Arzt zur Hand hat bevor der Notfall eintrifft. Fragt eure Kommilitonen und vor allem Studenten aus höheren Semestern. Recherchiert. Fragt rum. Kümmert euch früh genug um das Thema! Denn ohne Arzt in der Not ist Kranksein echt zum Kotzen.