Ist ein Studium schlecht für die Augen?

Früher hing man stundenlang in der Bibliothek über den Büchern, heute starrt man stundenlang in den PC. Oder auf das Tablet. Und natürlich auf das Handy. Was zwar aus arbeitseffizienter Sicht ein Meilenstein ist, ist physisch gesehen aber ein Rückschritt ins Industriezeitalter mit seiner Fließbandarbeit. Was Segen bringt, bringt auch Unheil. Schauen wir uns also mal das Ganze etwas genauer an.

Laut Vision Council betrifft die „digitale Krankheit“ vor allem die Millennials, also Menschen, die zwischen 1981 und 1996 geboren wurden. Ja genau, uns. Aber hier soll es ja nicht um die Allgemeinheit gehen, sondern im Speziellen um uns Studierende. Wir alle besitzen Smartphones und Tablets, das ist nichts neues. Auch ein Laptop ist nicht mehr wegzudenken im Studium. Rund 37,4 Prozent von uns nutzt diese Geräte exzessiv und mehr als neun Stunden am Tag. Meist auch noch zeitgleich. Das ist also mehr als die Hälfte der Zeit, die wir wach sind. Das heißt, dass 68% der Generation Y unter dieser „digitalen Krankheit“ leidet.

Laut der Gutenberg-Gesundheitsstudie gibt es einen deutlichen Zusammenhang zwischen Ausbildungsstand und Myopie („Kurzsichtigkeit“). 53% der Hochschulabsolventen leiden unter der Krankheit, 35% der Menschen mit Abitur oder Berufsabschluss, aber nur ein Drittel der Studienlosen. Mmhh.

Man muss allerdings kein Studium haben, um sich bereits ausrechnen zu können, dass diese technologieaffine Lebensweise auf Dauer nicht ohne Folgen bleiben kann. Der digitale Gott verlangt nun einmal seinen Tribut.

Asthenopische Beschwerden.

40% der Menschen, die mehr als 3 Stunden am Computer verbringen, leiden unter sogenannten asthenopischen Beschwerden. Das Wort kennt kein Mensch aber dafür die Beschwerden: trockene, juckende oder tränende Augen, Flimmern, unscharfes Sehen. Und Rücken und Nacken sind von der schlaff im zu niederen Bürostuhl hängenden Sitzposition auch wenig begeistert. Die Kopfschmerzen lassen dann nicht lange auf sich warten.

Bereits ab zwei Stunden vor dem Screen gehts los. Im Alltag schweift das Auge frei umher und die unterschiedlichen Anforderungen sind ausgewogen. Bildschirmarbeit überfordert die Augen einerseits durch eine ständig wechselnde Anpassung an Helligkeiten, unterfordert sie aber durch die starre Sicht auf gleiche nahe Entfernungen, im gleichen Winkel und auf gleiche Objekte. Die Augenlinse verliert durch das Starren aus nächster Distanz an Elastizität und muss sich auf Dauer mehr anstrengen, um Dinge in der Nähe scharf zu stellen.

Tja, wo wir nun den Feind kennen, was ist der Schlachtplan?

Wirksam gegen die Überlastung vorgehen kann man durch – oha – kürzere Zeit vor dem Bildschirm. Da dies bei Alice im Wunderland leichter umzusetzen ist, als in der Studentenwelt sollte man sich auf weitere Lösungen konzentrieren.

Mehr Pausen sollte man einlegen. Das könnte klappen. Wer diese häufig vergisst, der kann sich Unterstützung holen durch Programme, die in regelmäßigen Abständen für eine Auszeit sorgen sollen. Windows hat FadeTop, für Mac User gibt es TimeOut. Der kurze Blick in die Ferne ist erholsam, das Auge regeneriert sich. Nach 2 Stunden ununterbrochener Bildschirmarbeit braucht das Auge aber 15 Minuten zur Regeneration.

Auch die Vermeidung von hohen Kontrasten bei der Arbeitsplatzgestaltung hilft dem Auge. Unscharfe und flimmernde Bildschirme, zu kleine Schriftgrößen und ein grelles Fenster hinter dem PC tragen nicht zur Augengesundheit bei. Auch wer seinen PC noch so liebt, sollte doch einen Abstand zwischen sich und dem Bildschirm von 50-80cm einhalten.

Und wer auf die „office eyes“ verzichten möchte, kann die trockene Bindehaut mit Augentropfen wieder ölen. Man kann auch öfters blinzeln.

Augenstress-App. Was es nicht alles gibt.

Wer gerne wissen möchte, wie burnout gefährdet seine Augen sind, der kann sich eine Augenstress-App im App Store oder im Google Play Store downloaden. Dieser simuliert eine normale Alltagssituation für das Auge mit wechselndem Blick und verschiedenen Sehbereichen. Aber nicht zu lange damit herumspielen, sitzt man da doch auch wieder vor einem Screen.

Wer also gerne auf die dicke Brille und den Maulwurfcharme verzichten möchte, sollte mehr auf seine Augen achten. Wenn es das Studium nicht zwingend erfordert, dann nutzt das Smartphone weniger, trefft Freunde in der Bar, nicht über Skype, kontempliert mal ohne Facebook auf dem Klo und greift mal wieder zu einem guten Buch. Euren Augen zu Liebe.