Neujahrsvorsätze – Alle Jahre wieder

Bist du jemand, der seine Vorsätze bravourös einhält und seine Ziele stets erreicht? Ja? Dann darfst du diesen Beitrag guten Gewissens überspringen. Der Rest darf weiterlesen. Wir gehen den ewigen Vorsätzen auf den Grund.

 

Neujahr. Alles ist möglich. Die Motivation ist so hoch wie der Alkoholpegel am Tag zuvor. Jetzt ist die Zeit da, um neu durchzustarten, das Leben zu ändern, alles besser zu machen. Ein neuer Mensch zu werden.

Bei den meisten ist der um Punkt 0 Uhr erwachte Elan zur ultimativen Lebensveränderung bereits am Nachmittag des nächsten Tages am schwächeln. Bis Ende der Woche ist er bereits zu Grabe getragen. Woran liegt das? Vorsätze im ersten Moment voller Überzeugung fassen und diese mit derselben Überzeugung ein paar Tage später wieder ins Nirwana schicken? Hat es nur mit der Willensstärke zu tun? Mangel an Disziplin?

Bei mir geht es dabei nicht nur um die lebensverändernden Vorhaben am Silvesterabend. Jede Woche auf’s Neue erwachen in mir kleine Motivationsschübe. Und dann? Nichts. Das „Morgen“ ist ein mystisches Land in dem 99 % Produktivität, Motivation und Leistung der Menschen liegen. Versagt man bereits am frühen Montag, ist der ganze Plan dahin. Die ganze Woche dahin. Dabei sage ich mir selbst immer: Wenn du es wirklich willst, dann mach es doch einfach und tue etwas dafür. Leichter gesagt als getan. Warum?

Engelchen und Teufelchen.

Hauptproblem ist unsere moralische Schizophrenie. Man hört zwei Stimmen im Kopf. Die des allseits bekannten Engelchens und seines Kollegen, des Teufelchens. In Bezug auf eine gesündere Ernährung läuft das dann ungefähr so ab, dass das Engelchen „Nein, heute keine Kohlenhydrate“ zwitschert und das Teufelchen „Heute gönne ich mir aber mal was“ brüllt. Der Teufel gewinnt. Er hat die besseren Argumente.

Es konkurrieren also stets zwei verschiedene Absichten miteinander. Das kurzfristige Ziel mit dem langfristigen Ziel. Dieser innere Clinch hört nie auf und betrifft alle Lebenslagen. Das Engelchen mit seinen langfristigen Zielen muss meist einstecken, denn unsere spontanen Impulse und der Spaßfaktor des Teufels sind einfach attraktiver. Und mithilfe äußerer Einflüsse, unserer sozialen Umgebung und den allgemeinen Umständen, hat er leichtes Spiel das Rennen jedes mal zu gewinnen. Lasst uns mal auf den Grund gehen, woran das liegen könnte.

Einmal Königsklasse bitte.

Der erste Fehler liegt vor allem in unserer Erwartungshaltung an uns selbst. Wir verlangen schlichtweg innerhalb kürzester Zeit zu viel von uns und setzen unrealistische Ziele. Während man gestern noch auf der Couch vor dem Fernseher lümmelte, erwartet man morgen nach einem 10 Minuten Workout bereits Superman vor dem Spiegel. Anstatt sich zunächst kleinere Ziele zu setzen, verlangen wir von uns selbst direkt die Höchstdisziplin. Aber hallo!

Auch ein schlechtes Zeitmanagement, ineffiziente Gewohnheiten, und schnelles Aufgeben durch frustrierende Rückschläge tragen ihren Teil dazu bei. Der Alltag walzt jeden noch so ehrlich gemeinten Vorsatz platt. Negative Erfahrungen und Demoralisierungen wie „Ich kann das nicht“ und „Das ist zu schwer“ geben ihm dann noch den Rest. Wie also schafft man es?

Du willst es? Du kriegst es.

Zu Beginn sollte man sich Gedanken machen, was man machen bzw. ändern möchte und warum. Ist es tatsächlich der eigene Wunsch oder fühlt man sich von außen verpflichtet es zu tun? Denn, steht man nicht zu 100% hinter dem Vorsatz, wird nichts daraus. Wie soll das Ergebnis aussehen? Was ist man bereit, dafür zu tun? Bevor man sich neue Ziele setzt und Vorsätze fasst, sollte man klein beginnen und sich schlechte Angewohnheiten abgewöhnen. Wenn man beispielsweise abnehmen möchte, muss man nicht sofort zur Sportskanone mutieren. Kleine Schritte wie zum Beispiel auf Süßgetränke zu verzichten, sich allgemein gesünder ernähren sind schon ein guter Start. Passt eure Schritte realistischen Zielen an!

Aber auch bei kleineren Schritten ist Disziplin gefragt. Verliert nicht gleich die Motivation, wenn es zu Rückschlägen kommt. Ich habe nun fast ein Jahr an dieser Website gesessen. Wow. Unfassbar. Immer wieder habe ich es vor mir hergeschoben, den Blog zu veröffentlichen. Doch irgendwann hat es Klick gemacht und mich hat die Leidenschaft wieder gepackt. pfstudy war und ist bis heute in meinen Augen nicht so perfekt wie ich es gerne hätte. Aber genau darum geht es. Wenn man darauf wartet, bis etwas perfekt ist, wird man nie den zweiten Schritt machen. Perfektion ist eine Illusion, die uns davon abhält zu handeln. Bei bestimmten Dingen muss man einfach den Sprung ins kalte Wasser wagen. Denn Schwimmen lernen kann man nur im Wasser. Die Trockenübungen an Land sind verlorene Liebesmüh. Wartet also nicht auf den perfekten Moment, um mit euren Vorsätzen zu starten. Egal ob Jahresbeginn, Wochenstart, Monatsanfang oder whatever – der perfekte Moment wird nie kommen.

Das Niagara Syndrom.

Erinnerst du dich noch an die vorher erwähnten kurzfristigen und langfristigen Ziele? Hier ist eine kleine metaphorische Geschichte* dazu:

Stell dir vor, du paddelst auf einem Fluss. Du machst dich auf den Weg, ohne Ziel und Plan. In kurzer Zeit bist du in der stärker werdenden Strömung gefangen – dies sind aktuelle Ereignisse, Ängste und Herausforderungen in deinem Leben. Du entscheidest bei jeder Biegung spontan wohin du paddelst. Eines Tages hörst du das laute Geräusch tosenden Wassers und du siehst, dass der Fluss in die Niagarafälle mündet. Sie stürzen vor dir in die Tiefe. Du erkennst deine Notlage und versuchst mit aller Kraft dagegen anzupaddeln. „Oh shit“ denkst du dir. Aber dann ist es zu spät. 

Auch wenn ich generell gegen zu strikte Pläne bin, so braucht es für gewisse Dinge im Leben – und vor allem für Vorsätze, die einem persönlich sehr wichtig sind – dann doch einen Fahrplan. Realisierbare Ziele. Damit wir unsere Entscheidungen daran ausrichten und in die richtige Richtung paddeln. Ansonsten landen wir auf einem Fluss der direkt auf einen Abgrund zielt.

Verfolge langfristige Ziele, die dich glücklich machen. Frage dich auch, was danach kommen soll. Oft streben Menschen Ziele an und wissen nicht einmal, was sie damit anfangen sollen. Ein 1er Student, der keine sozialen Kontakte während seines Studiums pflegt, wird so manche Schwierigkeiten im Berufsalltag bekommen. Verliere die langfristigen Ziele niemals aus den Augen. Wähle weise, denn sie sollten dich nicht in deiner Freiheit einschränken, sondern dir mehr Freiheit verschaffen, spätestens dann, wenn du sie erreicht hast.

Jeder von uns hat mal einen Durchhänger. Nur sollte der nicht das ganze Leben andauern. Gehe es an. Jetzt. Wenn du es willst, dann hol es dir. Ganz wichtig: Genieße die Zeit auf deinem Weg bis zum Ziel und habe Spaß dabei. Und zwischendurch solltest du dir ruhig auch mal etwas gönnen.  😆

* Das Niagara Syndrom stammt von Tony Robbins