Warum Barkeepern für mich der perfekte Nebenjob in meiner Studienzeit war.

Die meisten Studenten sind während ihrer Studienzeit auf einen Nebenverdienst angewiesen. So vielleicht auch du?! Will man nicht immer ans Sparen denken müssen, hilft einem das BAföG alleine auch nicht weiter. Aber welcher Nebenjob soll’s nun sein? Bei mir war das eine ganz einfache Entscheidung. Ich habe mich damals für das Barkeepern entschieden.

Vielleicht hast du dein berufliches Ziel schon ganz klar vor Augen und ein sonnenklar erkennbarer roter Faden zieht sich durch deinen Lebenslauf. Herzlichen Glückwunsch. Zu wissen wo man hin will, ist immer gut. Bei mir war das nicht der Fall. Aber abgesehen davon, war der Nebenjob für mich nie das Wichtigste für den Berufseinstieg. Du und auch viele andere Menschen da draußen mögen anders denken. Du strebst vermutlich eine Werkstudententätigkeit an. Klarer Vorteil. Dabei kannst du bereits Praxiserfahrung in einem Berufsfeld sammeln, in dem du später einmal arbeiten möchtest. Das wird gerne gesehen im CV. Da wird der Job als Barkeeper eher belächelt.

Warum ich es trotzdem gemacht habe.

Mit dem Glaubenssatz, den ich soeben beschrieben habe, bist du nicht alleine. Aber. Wenn du weiterliest siehst du es vielleicht aus einem anderen Blickwinkel.

Social Skills. Abwechslung zum Alltag. Spaß bei der Arbeit. Stressresistenz. Konzentration. Ein gutes Gedächtnis. Selbstbewusstes Auftreten.

Das sind wichtige Stichpunkte. Am Schreibtisch eines Konzerns lernst du womöglich deine Fachkenntnisse aus dem Studium anzuwenden – auch wenn man sich oft fragt, was einem nun gewisse Vorlesungen für den Job bringen sollen – dafür fehlt aber sehr wahrscheinlich das Gefühl für das Zwischenmenschliche.

In einem Club. In einer Bar. Generell in der Gastronomie. Hier wird von dir Freundlichkeit abverlangt, egal in welcher Situation du gerade steckst. Krisen. Stress. Persönliche Probleme. Forget it.

Mir war hauptsächlich wichtig, dass ich Spaß bei der Arbeit haben kann. Ein kleiner Vorteil für mich. Ich bin eine absolute Nachteule, daher war es genial für mich nachts arbeiten zu können. Von dem Tag bekommt man da trotzdem noch ausreichend mit und während dem Studium dürfte das sowieso kein Problem sein, wenn man das ein oder andere Wochenende verpennt oder mal unter der Woche ein wenig länger ausschläft. (Mein Studium habe ich trotz diesem Nebenjob gerockt!!!)

Konkrete Learnings durch das Barkeepern.

Für viele gewiss nicht nachvollziehbar oder zumindest nicht auf den ersten Blick erkennbar:

  • Du bist schüchtern? Das ist nicht so von Vorteil beim Barkeepern. Wenn du es schaffst dich zu überwinden – denn sonst bekommst du erst gar nicht einen solchen Job – dann lernst du offener zu sein und eignest dir ein selbstbewussteres Auftreten an.
  • Barkeepern ist ein ehrlicher und solider Beruf der genau wie andere Jobs Professionalität von einem abverlangt. Wird es hektisch musst du trotzdem lernen klarzukommen. Dein Stresslevel wird durch diesen Job herabgesetzt, da du immer mehr lernst damit besser umzugehen.
  • Ein Gast in einem Club repräsentiert einen Kunde, genau wie in jedem anderen Unternehmen auch. Dementsprechend musst du dich auch verhalten. In anderen Unternehmen kommst du im Zweifelsfall nicht einmal in die Nähe eines Kunden.
  • Multitasking. Ds ist so eine Sache, die nicht jeder kann. Bei diesem Job lernst du sie. Mehrere Bestellungen mit einem Schlag annehmen. Alles im Kopf behalten. Getränke mixen. Gleichzeitig im Kopf den Preis berechnen. Lächeln und freundlich sein.
  • Du lernst Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entwickeln, die dich nahezu in jeder Lebenslage weiterbringen. So lernst du beispielsweise: Besser auf fremde Menschen zuzugehen. Verkaufsgespräche zu führen, indem du versuchst einen Gast von einem Getränk zu überzeugen. Gesellschaftliche Interaktion. Deine Menschenkenntnis zu verbessern. Mehr Selbstvertrauen.
  • Stell dir vor du bist nun Barkeeper und ab diesem Moment hast du ein paar Freunde mehr, die alle von dir erwarten, dass du sie auf kostenlose Drinks einlädst. Eine unangenehme Situation, da du deinem Chef gegenüber selbstverständlich loyal bist. Nun gilt es aus dieser Lage wieder herauszukommen, und zwar so, dass deine Freunde nicht sauer auf dich sind und dich trotzdem wieder an der Bar besuchen kommen. Überlege. Du kommst selbst auf das Learning hinter dieser Geschichte. 😉
  • Als Barkeeper bist du auch Konfliktlöser. Wenn du bemerkst, dass es zum brodeln kommt, dann versuchst du die Situation so zu lösen, dass es nicht zum Streit kommt und sich alle wieder lieb haben. 🙂

Vergiss mal deine Karriereleiter für einen Moment. Hier einige Fun Facts durch das Barkeepern:

  • Du baust dir ganz schnell ein Netzwerk auf und zwar auch außerhalb der Hochschule. Das sorgt für Abwechslung und tut auch mal gut, da du dich so dem Leistungsdruck und den ständigen Gesprächen rund um die Noten entziehen kannst. Die Sorgen rund um dein Studium sind hier praktisch nicht anwesend.
  • Mit diesem Job verdienst du nicht nur Geld, sondern kannst auch jede Menge Spaß haben. Dein Vorteil im Vergleich zu deinen feierwütigen Kommilitonen? Du sparst nicht nur Geld, weil du weniger feiern gehst, sondern du verdienst sogar welches und kannst auf der Party trotzdem anwesend sein.
  • Du lernst deine Kommilitonen von einer unglaublich unterhaltsamen Seite kennen.
  • Im besten Fall wirst du ein Teil eines coolen Teams und erhältst eine zweite Familie.
  • Du bekommst Anmachsprüche zu hören, die so schlecht sind, dass du mit deinen Freunden schon wieder darüber lachen musst.

Ein dickes Fell hilft immer.

Als Barkeeper bekommst du ein dickes Fell, das dir bei unendlichen Gegebenheiten, die das Leben für dich noch so bereithält, weiter hilft. Barkeepern kann sehr anstrengend sein. Generell wird davon ausgegangen, dass… Du hast immer auf alle Fragen eine Antwort. Du bist Schulabbrecher, was sonst. Du hast logischerweise einen IQ unterhalb der Zimmertemperatur. Ab zwei Getränken gibst du Mengenrabatt, na logisch, sonst gibt man dir kein Trinkgeld mehr. Du hast ein Alkoholproblem oder noch schlimmeres. Du kannst dir alle Gesichter merken und weißt schon was der Gast trinken will, bevor er es überhaupt ausgesprochen hat. Und noch vieles vieles mehr….

Verrückt was die Leute so denken, oder?! Und trotz alledem mag ich diesen Job. Bestimmt gibt es Ausnahmen, aber sehe deinen Nebenjob nicht immer als ein Mittel zum Zweck. Ein bisschen Abwechslung von deiner geplanten Berufsrichtung muss auch mal sein. Es gibt immer noch das Praxissemester und unendlich viele Möglichkeiten auf weitere Praktika.

Cheers. Tami.